Schreiben lernen - lustvoll - sinnlich – fliessend

Wann lernen Kinder eigentlich schreiben?

Genau! - Schon lange vor dem Eintritt in die erste Klasse. - Kinder bauen Vorläuferfertigkeiten fürs Schreiben und Lesen auf, indem sie als Kleinkinder mit Stift und Pinsel grosszügig fabulieren, kritzeln, eigene Zeichen und Formen erfinden - Spuren im Sand und in ihrer Lebenswelt hinterlassen. Dabei lernen die Hände einen Stift zu halten, Kraft zu dosieren und die Augen begleiten diese Prozesse. Anfänglich sind diese ersten Gehversuche noch anstrengend, die Zeichen und Linien wirken noch verkrampft. «Übung macht ja bekanntlich den Meister/die Meisterin!» - Die Linien werden schwungvoller, fliessender und harmonisch. Zunehmend kann das Kind seine Linien, Formen und Zeichen willentlich steuern. Das Schreiben beziehungsweise das «Zeichnen» des eigenen Namens gewinnt an Bedeutung. Mit dem Eintritt in den Kindergarten gehören Rhythmisches Zeichnen, graphomotorische Übungen, wie auch der Umgang mit Malutensilien, Leim und Werkzeugen zu den Grundanforderungen und bilden die Basis für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb.

Auch in der ersten und zweiten Klasse wird im Klassenverband oder in der Gruppe bei der Schulischen Heilpädagogin die Hand-Augenkoordination, die Kraftdosierung und eine korrekte Stifthaltung auf stimmige, lustvolle und experimentelle Art und Weise erprobt, geübt und verfeinert. Zum Thema Wasser haben die Kinder zuerst wellenförmige und runde Bewegungen mit Farbstiften in ihr Heft gezeichnet. Anschliessend wurden mit Pinsel und Wasser diese Farbstiftlinien vermalt und gemischt. In einem weiteren Mal entstanden aus den runden Bewegungen wolkenartige Gebilde. Feine Regentropfen oder Striche simulieren den Regen und fordern die Kinder mit einer feinen und routinierten Strichführung.
Letztendlich haben einige Kinder ihre Wolke mit lautgetreuen «Wasserwörtern» gefüllt. Andere schreiben erste Sätze oder auch schon kleine Texte. Gemeinsam achten wir auch bereits auf eine orthographische Schreibweise von Wörtern und lernen, was ein ganzer Satz ist. Ihre Schreibwerke präsentieren die Kinder ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. Dabei lernen sie vor anderen zu sprechen und einander zuzuhören. Sie können ihr Wissen mit den Ideen ihrer «Gspändli» erweitern. Lernen geschieht im Dialog und Austausch - miteinander – voneinander und nebeneinander.
- Schön, wenn Schreiben, Lesen und kurzum das Lernen dahinplätschern, fliessend, geläufig und Spuren auf dem Papier und hoffentlich auch im Kopf und Herz der Kinder und Lehrpersonen hinterlassen.

Silvia Boxler-Güttinger SHP Zyklus 1

Juni 2026


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